Südamerikanische Schmetterlingsbuntbarsche - Mimosen oder nicht? - Meine Erfahrungen mit diesen Fischen

  • Warum mache ich diesen Thread auf?


    Nicht weil ich besonders schlau bin oder andere belehren will (falls das so rüberkommt entschuldige ich mich jetzt schon, das ist keinesfalls so beabsichtigt!), sondern weil ich als Liebhaber und Halter der SBB etwas gegen den zu Unrecht so schlechten Ruf der angeblich so überempfindlichen Südamerikanischen Schmetterlingsbuntbarsche tun möchte.


    Ein weiterer Grund ist, dass immer wieder Fragen in Zusammenhang mit den Südamerikanischen Schmetterlingsbuntbarschen aufkommen und ich versuchen möchte, viele Fragen zu beantworten (soweit ich es vermag) damit sich Aquarianer die die Absicht haben sich M. ramirezi zuzulegen sich einmal kompakt informieren können.


    Ein letzter Grund ist, dass es mich einfach reizt meine Erfahrungen (Stand des Jahres 2021) an Interessierte weiter zu geben.


    Was ich hier schreibe beruht auf selbstgemachten Erfahrungen in zehnjähriger Haltung und dem dabei erworbenen Wissen. Das bedeutet jedoch nicht dass ich alles weiß (ganz bestimmt nicht!) oder das andere Aquarianer nicht abweichende oder gar gegensätzliche Erfahrungen haben. Ich bin auch kein Profi oder Züchter, kein Allwissender usw., sondern einfach nur ein Liebhaber dieser Art. Und es gibt mit Sicherheit Aquarianer die zu diesen Fischen aussagefähiger sind und wesentlich mehr Wissen zu und Erfahrungen mit diesen Tieren haben.

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  • SBB sind aus meiner Sicht keine Fische für jemanden der noch keinerlei Aquaristikerfahrungen hat. Am besten (aber leider auch das nicht immer) fährt man beim Erwerb solcher Tiere mit privaten Züchtern. Aber auch Großanbieter vor Ort wie auch im Internet bieten durchaus gute und gesunde Tiere an. Das Problem ist dann natürlich herauszufinden, wer welche Tiere anbietet. Ich selbst habe aus allen drei Quellen SBB bezogen und habe keine wesentlichen Unterschiede feststellen können. Wenn Tiere zu früh starben waren immer Fehler die ich gemacht habe ursächlich, in keinem Fall eine schlechte Verfassung der Tiere beim Erwerb.

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    Wenn man Schmetterlingsbuntbarschen/ Mikrogeophagus ramirezi halten möchte sollte man einiges wissen, da sie zwar nicht so schwierig zu halten sind, aber doch das eine oder andere Problem mit sich bringen können, gerade für Anfänger. Das hängt zumeist mit sechs Problemen zusammen:


    Zum einen damit, dass diese „Massenvermehrer“ die Tiere in Wasser halten/ vermehren, dass mit Medikamenten übersättigt ist, da sie sonst ihre Massenzuchten nicht durchbekommen. Wenn diese Tiere dann in eine normale Aquariumumgebung kommen, die natürlich auch ganz normale Belastungen aufweist, gehen dann die Fische tatsächlich nach relativ kurzer Zeit oft und plötzlich ein, weil sie an diese dort vorkommenden und an sich ganz normalen Keime einfach nicht gewöhnt sind. Ansonsten sind sie nicht soooo empfindlich. Aber eine gute Beckenhygiene ist Pflicht!


    Zum anderen werden diese Tiere oft viel zu früh in den Verkauf gebracht und können so gezüchtete Tiere kein Sozialverhalten mehr lernen können und es kann dadurch zu Schwierigkeiten in Zusammenhang mit Paarungsverhalten, der Gelegepflege usw. kommt. Das die Verhaltensmuster genetisch hinterlegt sind ist schon klar, dennoch trägt das frühe Entnehmen der Tiere zu Verhaltensproblemen bei. Außerdem ist es schwierig bei so jungen Tieren das Geschlecht sicher zu bestimmen.


    Ein drittes (aber völlig normales) Problem ist, dass SBB nicht jeden vom Aquarianer zugedachten Partner akzeptieren und sich deshalb die Partnerwahl der SBB manchmal (aber nicht immer) schwierig gestalten kann, bis dahin, dass die vom Aquarianer eingesetzten Tiere wieder getrennt werden müssen. Aber wie gesagt, dieses Problem hat nichts mit Züchtungen oder gar Überzüchtung zu tun. Wobei dauerhafter Stress allerdings bei allen SBB ein höchst tödliches Problem ist. Man sollte deshalb unbedingt ein Ausweichaquarium bereithalten und mit dem Verkäufer vor dem Kauf eine Rückgabe-/ Tauschmöglichkeit vereinbaren! Allerdings gehören „Jagden“ zwischen SBB zum Verhaltensrepertoire der Fische, natürlich in einem normalen Maß. Meine Ramipaare machten und machen das nach bis zum Ende ihrer Tage immer mal wieder, auch mal andersrum – also das Weibchen jagt dann das Männchen durch die Gegend. Wie schon gesagt, in einem gesunden Verhältnis.


    Das vierte Problem ist, dass auch, die besonders gezüchteten Farbschläge, auf Grund des besonders kleinen Grundlagengenoms, wesentlich sensibler auf Keime, Stress etc. reagieren, das könnte man möglicherweise als Problem durch Überzüchtung bezeichnen, es ist aber eher ein Problem des sogenannten genetischen Flaschenhalses und der damit verbundenen Überempfindlichkeiten.


    Ein fünftes Problem ist dann noch, dass die SBB durch unerfahrene Aquarianer schlicht und ergreifend falsch gehalten werden, so z.B. falsche Temperaturen, falscher Besatz, falsche Aquariengestaltung oder falsche Fütterung. Und dann schlägt automatisch auch wieder das o.a. Problem Stress zu.


    Ein sechstes Problem stellt die für mich unsinnige Züchtung von naturuntypischen Farbschlägen und Flossenformen dar. Außer der als viertes Problem bereits angesprochenen Thematik des genetischen Flaschenhalses usw. kommt hinzu, dass durch das Züchten in der Natur nicht existenter Farbschläge und dem oft gleichzeitigen Wegzüchten von erkennbaren Geschlechtsmerkmalen wie den verlängerten Strahlen der Rückenflossen es manchmal schwer bis unmöglich ist das Geschlecht zu erkennen. Wie soll ein durchschnittlicher SBB-Halter (ich zähle mich dazu) da noch ein Paar zusammenstellen können, wenn er kaum bis gar nicht die Geschlechter erkennen kann?! Bei den sogenannten Schleierformen kommen dann eine Behinderung bei der Beweglichkeit der Tiere dazu und natürlich ein entsprechendes Verletzungsrisiko, was wiederum ein erhöhtes Infektionsrisiko nach sich zieht.

  • Ich habe die SBB bei ca. 26°C Wassertemperatur gehalten, solltest jemand Zuchtabsichten hegen, würde ich die Temperatur dann auf 29°/ 30°C anheben, da ist die Bereitschaft zur Paarung bei den Tieren höher. In ihren natürlichen Vorkommen haben die SBB übrigens Wassertemperaturen von 26°C - 33°C, selbst bei über 35°C wurden die gefunden und haben sich vermehrt (sollte man daheim nicht unbedingt ausprobieren glaube ich). Was die Ursprungsgebiete der SBB betrifft, ich selbst war nie dort und habe meine Informationen dazu u.a. von Dr. Wolfgang Staeck und seinem Buch ‚ Amerikanische Cichliden I - Kleine Buntbarsche‘ (das soll keine Werbung sein), aber auch aus anderen vor-Ort-Berichten.

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    Für eine Art Schwarzwassereffekt habe ich Erlenzapfen und Laub (Eiche, Seemandelbaumblätter) überbrüht und (nach dem Abkühlen) das Ganze ins Aquarium gegeben. Falls Du züchten willst ist nach meinen Erfahrungen ein Artbecken empfehlenswert. Bei mir schwamm immer eine kleine Gruppe friedlicher Salmler mit im Becken.


    Ab und an wird eine Haremshaltung der SBB angeraten, doch Haremshaltung bei SBB ist nach meiner Erfahrung Nonsens. Man kann aber mehrere Paare in einem Aquarium halten, eine entsprechend große Grundfläche und richtige Aquariumgestaltung ist dabei natürlich Grundvoraussetzung. Die Höhe des Aquariums kann man jedoch bei einem SBB Becken als nicht so wichtig ansehen, viel wichtiger sind bei einer Aquariumauswahl Breite und Tiefe (um Missverständnisse zu vermeiden - Tiefe des Beckens nach hinten, nicht in die Höhe!) des Aquariums.

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    Über eines muss man sich noch im Klaren sein: Was die angebliche Kurzlebigkeit der SBB angeht stimmt das nur bedingt. Sie haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von max. 3 Jahren. Es gibt auch Quellen die von 4 Jahren sprechen. Davon sind natürlich schon einige Monate verstrichen, wenn man die Tiere bekommt.

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  • Ich habe M. ramirezi in Aquarien mit 10, 60 und 130 Litern gehalten. Nicht über die 10 Liter empören, erst weiter lesen. Für ein Artbecken oder auch mit einer kleinen Gruppe ruhiger, kleinbleibender und friedlicher Salmler sind 60 Liter ausreichend gewesen. In 130 Litern (hier sind wie schon zuvor geschrieben die Beckenmaße und nicht so sehr die Literzahl)entscheidend!) habe ich sie auch mit T. Chuna/ Honigguramis und Salmlern gehalten. Kurzzeitig zwei Paare, die ich aber wieder getrennt habe, da ein Paar sehr dominant war und das andere Paar permanent tyrannisiert hat und eine Besserung der Situation nicht absehbar war.


    Und nun kommen wir zur 10 Liter Variante. Diese Haltung ist natürlich für eine dauerhafte Haltung nicht angeraten! Es gab aber eine unglückliche Verkettung von Umständen die mich zwangen ein ausgewachsenes SBB-Männchen längere Zeit (ich glaube um die 4 – 5 Monate) in einem 10 Liter Aquarium zu halten. Auslöser war eine Erkrankung des Tieres mit erforderlicher Behandlung (deshalb die eigentlich nur für die Behandlung angedachte Umsetzung in das 10er Becken) und einige anschließende Katastrophen anderer Art, die hier nicht hingehören weil sie niemand etwas angehen. Unglücklicherweise war es auch noch ein 10 Liter Cube, also noch weniger Grundfläche als in einem 10er-Rechteckbecken verfügbar gewesen wäre. Wenn es denn kommt, kommt es meist knüppeldick. Das kleine Aquarium wurde natürlich mit vielen Pflanzen versehen um wenigsten ein Minimum an Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen. Freier Schwimmraum war natürlich praktisch nicht vorhanden. Nach mehreren Monaten kam das Männchen wieder in ein 60er Aquarium, bekam weibliche Gesellschaft und lebte ohne jedwede Verhaltensauffälligkeiten lange mit dem Weibchen zusammen. Will damit sagen, dass befristet solche eine ungünstige Verwahrung (Haltung kann man dazu eher nicht sagen) möglich ist, ohne dass das Tier Schaden nimmt. Um hier jedes Missverständnis zu vermeiden: Diese Haltung war nur einer unglücklichen Notsituation geschuldet und wird von mir keinesfalls als Haltungsvariante empfohlen, ganz im Gegenteil! Auch als Ausweichaquarium sollte diese Variante nicht praktiziert werden!

  • Wie schon weiter oben geschrieben habe ich meine M. ramirezi auch mit Beibesatz gehalten. Erinnerlich sind mir derzeit nachfolgende Arten:

    • Boraras brigittae/ Moskitobärbling
    • Paracheirodon simulans/ Blauer Neon
    • Hyphessobrycon amandae/ Feuer- oder Funkensalmler, auch Feuertetra
    • Trichogaster Chuna/ Honigurami

    Sollte jemand die Absicht haben den SBB Gesellschaft angedeihen zu lassen, kommen dafür nach meinen Erfahrungen nur sehr ruhige, kleinbleibende, friedliche und nicht bodenorientierte Arten in Anfrage. Sollte man sich mit Zuchtabsichten tragen, empfehle ich ein Artenbecken. Ich selbst habe keine Zuchtabsichten (ich wüsste nicht wohin mit dem Nachwuchs). Deshalb war, bis auf eine einzige Haltung (1x muss man es gemacht haben), immer Beibesatz mit im Becken. Deshalb bin ich für Zuchtfragen nicht der richtige Ansprechpartner.


    Ich rate aus eigener sehr schlechter Erfahrung von einer gemeinsamen Haltung der [definition='5','0']Ramis[/definition] mit anderen Bodenbewohnern ab. Mir ist durchaus bekannt dass es anderslautende positive Erfahrungen gibt. Da dürfte aber eher nicht von mir genannte Aquariengrößen betreffen. In meinem Fall habe ich aus damaliger Unwissenheit und Unerfahrenheit heraus Zwergpanzerwelse der Art Corydoras habrosus/ Marmorierter Zwergpanzerwels mit M. ramirezi zusammen gehalten, was zu einem Dauerkonflikt zwischen beiden Arten führte. SBB sind Tiere mit Revieransprüchen und verteidigen diese Reviere besonders, aber nicht nur in der Balz- und Brutzeit. Panzerwelse hingegen kennen keine Reviere und drangen natürlich ständig in den Bereich der SBB ein. Das hatte zur Folge dass die SBB im Dauerstress standen (zum Stress schrieb ich ja bereits) und permanent die Cory attackierten. Die Corys wiederum wurden verletzt. Als ich endlich bemerkte was da geschah, habe ich die letzten C. habrosus umgesetzt. Das traurige Ergebnis meiner Dummheit waren etliche tote C. habrosus und völlig erschöpfte M. Ramirezi.

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